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Pressemitteilung Thüringer Landtag vom 06.11.2020

 

 

 

 

 

 

 

 

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Artikel "Main Post" 08. September 2020

 

 

 

 

Schabat Schalom
Sendung vom 06.12.2019 15:00 Uhr /Autorin Almut Engelien (überarbeitete Abschrift)

Haus der Ewigkeit, das ist der Titel einer Ausstellung im Jüdischen Museum Rendsburg über jüdische Friedhöfe.

Wer einmal einen alten jüdischen Friedhof besucht hat, wird diesen Besuch nicht wieder vergessen. Denn er taucht ein in eine andere Zeit. Das liegt daran, dass jüdische Gräber traditionsgemäß nicht aufgelöst werden, auch nach Jahrhunderten nicht. Die Totenruhe gilt als unantastbar. Haus der Ewigkeit heißt dann auch eine Fotoausstellung, die zur Zeit im Jüdischen Museum Rendsburg zu sehen ist. Gezeigt werden Schwarz/Weiß Fotografien von Friedhöfen in Deutschland, Polen, der Ukraine und der Tschechischen Republik.

Frank Hajasch hat die Schau gesehen.


„Ich interessiere mich seit fast mehr als 20 Jahren für die jüdische Alltagskultur. Neben Synagogen und rituellen Tauchbädern, die es noch gibt, gilt mein Interesse auch den jüdischen Friedhöfen. Gerade auf jüdischen Friedhöfen finde ich interessant, dass man dort die Geschichte relativ einfach ablesen kann." sagt Marcel Jacobs.

Vor allem geht es um die Gestaltung der Grabsteine. Viele Fotos sind Nahaufnahmen, so dass nicht nur die verschwundenen Friedhofslandschaften festgehalten werden, sondern auch kunstvolle Details. „Was man an Grabsteinformen entdecken kann sind z.B. die klassische Hufeisen- oder Giebelform mit floralen Elementen. Dort finden Sie in der Mitte des Grabsteins häufig ein Symbol wie z.B. Kerzenleuchter oder Tierdarstellungen.“ so Jacobs.

Marcel Jacobs, Fotograf aus Berlin, steht im Jüdischen Museum im Betsaal der ehemaligen Synagoge von Rendsburg. Sein Blick fällt auf eines der 40 mittelgroßen Formate.

Das Bild zeigt die weitläufige Anlage im ukrainischen Czernowitz. Mit 50.000 Grabstellen und fast 15 Hektar Grundfläche gehört dieser Friedhof zu den größten in Europa. Endlose Reihen an Gräbern sind zu sehen, mit gekippten oft auch umgefallenen Grabsteinen, bis zum Horizont.

„Der Verfall geht immer voran. Es sind meistens Sandsteine. Ich kann diesen Verfall selbstverständlich nicht aufhalten, aber ich möchte ihn zumindest dokumentieren. Das ist auch der Hintergrund unseres Projekts. Wenn ich vor einem Grabstein stehe, dann immer mit dem Bewusstsein, dass hinter jedem Grabstein die Biographie eines Menschen steht.“ sagt Jacobs weiter.

Der üppige Bilderschmuck auf den Grabsteinen wie z.B. eine Menora oder einer stilisierten Tempelarchitektur ist trotz Verwitterung, Patina und Wildwuchs gut zu erkennen. Die Bilder zeigen die behutsame Arbeit von Marcel Jacobs. Da wird nicht nur abgelichtet. Der Fotograf sucht Sichtachsen, hat den Blick für`s kleinste Detail. Wobei die Schärfe bei den analogen Aufnahmen diesen Blick noch verstärkt. Und da ist dann sein Interesse an den Texten. Sie sind lang, mehr noch auf der Rückseite der Grabsteine und oft in hebräischer Schrift – sie hätten ihn berührt, erzählt der Berliner. „Ein typisches Beispiel ist das eines Industriellen: In seinen Lobpreisungen (Inschriften) wird erwähnt, wie sozial er engagiert war, im Bau von Kinderheimen oder Krankenhäusern. Er hatte auch seine soziale Verantwortung als Unternehmer stets im Blick.“ so Jacobs.

20 jüdische Friedhöfe in Mitteleuropa hat Marcel Jacobs für diese Ausstellung besucht, darunter die großen in Warschau und Berlin-Weißensee. Aber auch auf wirklich alten Anlagen wie auf dem Prager Josefov Friedhof sind beeindruckende Aufnahmen entstanden, die in Schwarz/Weiß gut zu der Vergänglichkeit und den Verfall passen. Weil Gräber nicht aufgelöst werden, sondern bei Platzmangel auf alten Friedhöfen weiter beerdigt wird, sammeln sich die Steine und man kann die Veränderung der Grabkultur gut erkennen. Der Fotograf erinnert an die jüdischen Einwanderer aus den ehemaligen GUS – Staaten in den 1990er Jahren. „Da finden Sie ganz schlichte Marmorgrabsteine mit Blumenschmuck oder Kerzen auf den Gräbern, was in der jüdischen Grabkultur eigentlich nicht – in Anführungszeichen – normal ist, um es so auszudrücken.“ sagt Jacobs.

Auf fast allen gezeigten Fotos stehen die Grabsteine als Stelen, wie bei den asch- kenasischen Juden. Auf dem riesigen Friedhof von Lòdz mit seinen mehr als 160.000 Gräbern liegen sie hingegen größtenteils und bilden eine schier unendliche Fläche. Trotzdem sei das kein Beispiel für sefardische Begräbnistradition, erklärt Jacobs. Die Steine in Lòdz seien bewusst gelegt worden um eine Gedenkfläche zu bieten. „Diese Fläche ist eine Erweiterung des jüdischen Friedhofs und grenzt unmittelbar an das einstige Ghetto von Lòdz.“ sagt Jacobs.

Die Ausstellung Haus der Ewigkeit im Jüdischen Museum Rendsburg können Sie noch bis zum 09. Februar 2020 sehen.

Frank Hajasch stellte sie vor.

 

 

 

 

Artikel "Holsteiner Zeitung"  von Hans-Jürgen Jensen 07.11.2019

 

 

 

Artikel "DNN" von Christian Ruf 29.12./30.12.2018 Nr. 301  

 

 

 

Artikel „Jüdische Allgemeine“ von Karin Vogelsberg 05.11.2018 /Kislew 5779


JÜDISCHE ALLGEMEINE | 08.11.2018 Dresden